06-vendedy-a.jpg - 65.48 Kb Anselm Venedey im TUA am 10.10.2017

zum TOP Handlungsprogramm Wohnen - Evaluierung und erste Gutachten

"Auch wir haben die Studien mit großem Interesse gelesen. Allerdings erscheint uns der Mehrwert, den wir daraus ziehen können nicht so hoch. Jeder von uns weiß längst, dass Konstanz massiv unterversorgt ist mit bezahlbaren Wohnungen, jeder von uns weiß, dass der Strom derer, die weiterhin zuziehen nicht nachlässt. Es ist, wenn man es sich leisten kann, extrem attraktiv, in Konstanz zu leben. Immer mehr Menschen aus allen Regionen Deutschlands ziehen zu uns und verknappen hier den Wohnraum. Dass nun unsere Prognosen zur Entwicklung der Einwohnerzahlen in den nächsten Jahren übertroffen werden, überrascht deshalb auch nicht.

Seit Jahren wissen wir, dass wir Wohnungen bauen müssen, dass wir Wohnraum schaffen müssen. Wir wissen was zu tun ist. Wir müssen jede verfügbare Fläche nutzbar machen!

Die Innenentwicklung ist flächenmäßig an ihre Grenzen gestoßen – also müssen wir entweder in die Höhe bauen oder eine behutsame Außenentwicklung vornehmen! Eine Erhöhung von bereits bestehenden Gebäuden ist aus vielerlei Gründen schwer realisierbar, das lesen wir auch in den Sitzungsunterlagen. Aber wie oft haben wir in den letzten Jahren das Höhenentwicklungspotenzial nicht ausgenutzt!

Ich erinnere hierbei an die Bebauung entlang der Bahnlinie in Petershausen. Ursprünglich sollte z. B. der Kopfbau an der Petershauser Straße zwei Geschosse höher werden – aber wie so oft wurde erst vernünftig gedacht und dann unvernünftig gehandelt. Das rächt sich in Summe nun gewaltig.

Inzwischen entwickeln wir sanft Flächen in den Außenbereichen. Aber die Entwicklungen kommen nicht voran, weil uns das Personal fehlt oder weil die Widerstände der Nachbarn zu groß sind. Warum sind wir im Marienweg in Litzelstetten nicht längst schon weiter? Hier sollte bereits gebaut werden können. Grundstückseigentümer sind sich einig, Bauwillige stehen bereit. Woran hapert es?

Wir planen ein großes Neubaugebiet am Hafner. Bis zur Baureife wird es noch Jahre dauern. Wir werden für dieses Gebiet mit über 2000 Wohnungen auch Schulen, Kindergärten, Pflegeheime, Freizeiteinrichtungen usw. brauchen. Aber was machen wir? Wir stecken Millionen in die Sanierung der Geschwister-Scholl-Schule Schule statt im Hinblick auf die in Zukunft zu erwartenden Schüler vom Hafner diese Schule durch eine neue Schule zu ersetzen und die frei werdenden Flächen zur Wohnbebauung zu nutzen. Die Umgebungsbebauung am Buhlenweg ließe auch auf dem heutigen Areal der Geschwister-Scholl-Schule eine vielgeschossige Bebauung zu. Stattdessen investieren wir in eine Bauruine, die über Jahrzehnte hinweg Folgekosten produzieren wird, statt durch einen Abriss und einen Neubau zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Ach ja, da hat sich ja wieder eine Bürgergruppe gebildet, die um Ihr altes „Bildungszentrum“ kämpft, weil die Schule ja so schön war. Kolleginnen und Kollegen da könnten ja noch ein paar Wählerstimmen drin sein, wenn man denen Honig um den Bart schmiert.

Wir werden mit dem Bevölkerungswachstum auch ein Wachstum an Pflegebedürftigen haben. Doch was machten wir? Wir reduzierten die Bettenzahl in der Jungerhalde wider besseres Wissens, weil es auch dort Bedenken der Anwohner gab und zuletzt wollten wir sogar die Zimmerzahl im Zoffingen verringern, weil der Neubau zu massig sei. Kolleginnen und Kollegen, so lösen wir die Probleme, die das Bevölkerungswachstum mit sich bringt, nicht. Wir können gerne über den richtigen Mix an geförderten und ungeförderten Wohnungen streiten. Wir können darüber streiten, ob es den Sickerungsprozess wirklich gibt. Da war ich mir z. B. unsicher bis uns in der letzten TUA-Sitzung aus kompetentem Munde versichert wurde, dass er existiert und die Studien, die wir vorliegen haben, scheinen das ja auch zu bestätigen. Aber wir müssen zuallererst bereit sein, auch einmal Entscheidungen zu treffen, die Anwohnern eventuell wehtun, die sogar Flächen kosten könnten. Das ist traurig, aber Menschen, die von einem Ort zum anderen ziehen machen am Herkunftsort auch wieder Flächen frei. Lassen Sie uns hier über den eigenen Tellerrand schauen.

Wir müssen wieder lernen, Entscheidungen zu treffen, die das Gesamtwohl der Stadt im Auge haben und nicht immer nur Entscheidungen, die im Interesse Einzelner oder einzelner Wählerschichten sind. Ich befürchte, dass das eineinhalb Jahre vor der Kommunalwahl sehr schwer fallen wird.

Und wir müssen von unserer Verwaltung ganz klar gesagt bekommen, was zu leisten sie im Stande ist. Welche Arbeit kann mit dem vorhandenen Personal gebracht werden. Brauchen wir im Dezernat 3 mehr Personal oder können Arbeiten extern vergeben werden? Auch hier brauchen wir Mut zu einer Entscheidung, die dem Kämmerer vielleicht nicht schmeckt, die aber nötig ist – obwohl, Herr Rohloff, Ihr Problem wird das ja nicht mehr sein."

 

 


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