Was ist die Schokoladenseite eines Hauses? 

 Von Anselm Venedey

 

Am Seerhein sollen bald die Umbauarbeiten am ehemaligen Centrothermgebäude beginnen. Ein multifunktionales Tagungshaus wird hier entstehen. Ein Haus, das Platz für Tagungen, Kongresse, Vorträge, Konter4te, Kabarett, Vereinsfeiern und Empfänge für Gäste und auch uns Konstanzer bieten soll. Die Räume sollen in ihrer Form und Größe variabel sein und bis zu über 1000 Menschen Platz bieten.

„Es ist ein Streit entbrannt“

Natürlich ist durch den bereits bestehenden Bau die Planungsfreiheit für die Ausrichtung der Säle bereits eingeschränkt: Technik und Lagerräume müssen im Osten und Westen gelegen sein, das gibt der bestehende Baukörper vor. Aber wohin soll die Hauptausrichtung der Säle gehen? ‚Wo soll das Foyer sein? Wo sollen die Gäste das Haus betreten? Hierüber ist ein Streit entbrannt.

„Das Foyer muß an der Südseite entstehen“

Während große Teile der Verwaltung, der Interimsmanager und der planende Architekt der Meinung sind, daß die Gäste das Haus im Norden von der Reichenaustrasse aus betreten sollen und sich dort das Foyer befinden soll, bin ich mit meinen Kollginnen und Kollgen der Freien Wähler Konstanz entschieden der Meinung, dass das Foyer im Süden am Seerhein entstehen muss.

„Verwaltung will Adresse bilden“

Die Verwaltung argumntiert, dasss ein „Adresse gebildet werden müsse“. Eine solche müssen an der Strasse sein – schließlich kämen die meisten Besucher  mit dem Auto und würden also vom derzeitigem P-&-R-Platz aus auf das Haus zuströmen. Der Eingang befände sich dann folgerichtig im Nordwesten, quasi parallel zur Reichenaustraße mit anschließendem Foyer.

„Eine wahrlich nicht sehr attraktive Betonabfahrt“

Der Verwaltung entgegne ich : Direkt neben diesem geplanten Eingang befindet sich die Zufahrt zur Tiefgarage – eine wahrlich nicht sehr attraktive Betonabfahrt, über die der Blick aus dem Foyer schweifen wird. Ganz abgesehen davon muß von dieser Seite aus auch die Belieferung des Hauses stattfinden. Trucks, Konzertbesucher und PKWs, die die Tiefgarage befahren, müssen sich diesen Platz teilen. Von dieser Seite beträte man dann die Säle, die sich zum Seerhein hin öffnen und durch Glasfenster den Blick freigeben auf den Seerhein. Ist das attraktiv?

„Wer an den Seerhein will, muß ums Haus herum laufen“

Sicher erfreut man sich während eines nicht sehr spannenden Vortrags am Blick nach draußen. In der Pause soll man dann ins Foyer mit der Aussicht auf die Reichenaustrasse gehen, dort seinen Kaffee trinken oder am Pausenprosecco nippen oder während eines Kongresses Gespräche mit Kollegen oder Geschäftspartnern führen. Wer an den Seerhein will, muß ums Haus herum laufen oder rechts oder links an der Bühne vorbei den Saal Richtung Rhein verlassen. Ist das realistisch?

„Vorhänge zugezogen“

Ist nicht eher zu erwarten, daß hinter der Bühne Leinwände für die Beamer und Werbebanner Blick und Durchgang zum Rhein versperren? Sind nicht ohnehin in den meisten Räumen bei Tagungen die Vorhänge zugezogen, weil es sonst im Sommer zu heiß wird oder es zu hell für Beamer und Laptops? Und bei Unterhaltungsveranstaltungen wie Konzerten oder Kabarett wird hinter der Bühne ohnehin ein Vorhang oder eine andere Abschirmung sein. Wie soll man da nach draußen sehen und gehen?

„Den Sekt an der Tiefgaragenabfahrt trinken?“

Wollen wir nicht eher das Haus, das ja auch ein Haus für uns Konstanzer sein soll, vom Seerhein her betreten, weil wir zu Fuß oder mit dem Fahrrad aus der Altstadt, aus Petershausen, vom Sternenplatz den Seeuferweg entlang oder vom Auto im Edeka-Parkhaus kommen`? Wollen wir unserer Sekt nicht lieber am Rheinufer trinken als an der Tiefgaragenabfahrt an der Reichenaustrasse? Wollen wir in den Pausen der Veranstaltungen tatsächlich nicht lieber unsere Füße am Seeuferweg vertreten, uns dort mit Geschäftspartnern oder Freunden aufhalten?

„Wozu ein modernes Mobilitätskonzept?“

Muß ein Haus denn noch immer vor allem auf die Autofahrer ausgerichtet sein? Sind wir nicht eine Stadt, die in der Mobilität neue Wege gehen muß, weil unsere Straßen schon jetzt überfüllt sind? Genau deshalb haben wir im Gemeinderat gerade eben ein Mobilitiätskonzept auf den Weg gebracht, auch um untersuchen zu lassen, ob ein Vaporetto unser Verkehrsproblem verringern könnte.

„Sonnenuntergang überm P-&-R-Platz?“

Ein solches Schiff würde vor unserem Tagungshaus anlegen, und zwar genau dort, wo die Fußgänger und Radfahrer auch ankommen. Soll man von dort aus erst zur Reichenaustrasse geführt werden, um von da in das Foyer an der Betonabfahrt zu gelangen? Wollen wir zum Sonnenuntergang Richtung Gottlieben schauen? Oder auf den P-&-R-Platz? Nein, das wollen wir nicht!

„... denn dort will man sich aufhalten!“

Lassen Sie uns die Besucher, die von der Reichenaustrasse kommen, an der Ostseite des Hause3s entlang zum Eingang am Seerhein führen – ohne Konflikt mit der Tiefgaragenabfahrt, ohne Konflikt mit den Trucks, die Bühnentechnik oder Großcatering anliefern. Lassen Sie uns das Haus mit dem Foyer nach Süden ausrichten, denn dort will man sich aufhalten, denn dort ist die Schokoladenseite unseres künftigen Veranstaltungs- und Tagungshauses.

 


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